
Wie gießt man Cannabis Indoor und Outdoor? Ein kompletter Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene
Die meisten Probleme beim Cannabisanbau entstehen nicht durch schlechte Genetik, schwache Lampen oder falsche Dünger – sondern durch falsches Gießen. Sowohl Trockenstress als auch Überwässerung können innerhalb weniger Tage das Potenzial der Pflanze zerstören und den Ertrag deutlich reduzieren. In diesem Leitfaden zeigen wir praxisnah, wie man Cannabis indoor und outdoor richtig gießt – ohne Mythen, ohne Rätselraten und ohne teure Fehler.
Inhaltsverzeichnis
- Benötigt Cannabis Wasser?
- Was passiert, wenn Cannabis nicht gegossen wird?
- Kann man Cannabis übergießen?
- Symptome von Überwässerung
- Woran erkennt man Wurzelfäule durch Überwässerung?
- Wie rettet man eine überwässerte Pflanze?
- Wann sollte Cannabis genau gegossen werden?
- Wie erkennt man, ob der Topf trocken ist?
- Wie viel Wasser benötigt Cannabis?
- Zusammenfassung
Benötigt Cannabis Wasser?
Cannabis ist eine einjährige, schnell wachsende krautige Pflanze, die einen konstanten Zugang zu Wasser im Wurzelbereich benötigt. Aufgrund des schnellen Wachstums ist der Wasserbedarf hoch, gleichzeitig kann die Pflanze nur sehr wenig Wasser speichern.
Schon eine kurze Trockenphase kann sich schnell negativ auf die Pflanzengesundheit, das Wachstum und den späteren Ertrag auswirken.
Was passiert, wenn Cannabis nicht gegossen wird?
Cannabis reagiert sehr schnell auf Wassermangel. Um zu überleben und die Blüten zu schützen, beginnt die Pflanze, Wasser zuerst aus den unteren Blättern zu ziehen und anschließend aus höheren Pflanzenteilen.
Die betroffenen Blätter verlieren ihren Turgor, hängen schlaff herunter und wirken kraftlos. Nach einigen Stunden – abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit – beginnen die Blätter zu vergilben und sterben ab.
Bevor die Blätter gelb werden, lassen sie sich noch retten. Es reicht aus, wieder Wasser in den Wurzelbereich zu geben. Ein leichter Blatt-Sprühnebel kann die Regeneration beschleunigen.
Achtung: Besprühe Pflanzen niemals, wenn sie durch Sonne oder Lampen aufgeheizt sind. Beim Indoor-Anbau sollte dies nur außerhalb der Beleuchtungsphase erfolgen.
Kann man Cannabis übergießen?
Beim Outdoor-Anbau, wenn Cannabis direkt im Boden wächst, ist Überwässerung praktisch unmöglich. Die Wurzeln haben unbegrenzten Raum, und überschüssiges Wasser kann natürlich abfließen. Probleme entstehen meist nur bei extremen Regenfällen und stehender Nässe.
Ganz anders sieht es beim Indoor-Anbau aus. Überwässerung ist einer der häufigsten Anfängerfehler. Pflanzen im Topf haben begrenzten Wurzelraum, und überschüssiges Wasser kann nicht richtig ablaufen.
Symptome von Überwässerung
Zu häufig gegossene Pflanzen leiden oft unter Wurzelfäule. Überschüssige Feuchtigkeit fördert das Wachstum von Bakterien und Pilzen im Wurzelbereich.
Wurzelfäule führt zu einer starken Wachstumsverlangsamung und zu vergilbenden Blättern, die meist von unten nach oben auftreten.
Wird von Anfängern häufig mit Nährstoffmängeln verwechselt!
Das führt dazu, dass zusätzliche Dünger gegeben werden, was nicht nur mehr Wasser bedeutet, sondern auch den EC-Wert (Versalzung des Substrats) erhöht – und das Problem weiter verschärft.
Ertragsverluste durch Überwässerung können erheblich sein, daher ist eine schnelle Diagnose entscheidend.
Woran erkennt man Wurzelfäule durch Überwässerung?
Ein faulendes Wurzelsystem erkennt man an folgenden Anzeichen:
- Tägliches Gießen, auch in kleinen Mengen – Wasser sammelt sich am Topfboden.
- Deutlich gehemmtes Wachstum und blasse Blätter, meist von unten nach oben.
- Nach dem Herausnehmen der Pflanze sind die äußeren und unteren Wurzeln braun oder gelblich und riechen faulig, wenn man sie zerreibt.
Wie rettet man eine überwässerte Pflanze? – Schritt für Schritt
Schritt 1: Die Pflanze vorsichtig aus dem Topf nehmen, ohne die Wurzeln zu beschädigen.
Schritt 2: Einen größeren Topf mit frischem, hochwertigem Light-Mix-Substrat vorbereiten.
Schritt 3: Pflanze einsetzen – alte Erde nicht von den Wurzeln entfernen.
Schritt 4: Nicht sofort gießen. Das Substrat zunächst gut abtrocknen lassen.
Schritt 5: Erst gießen, wenn der Topf fast vollständig trocken ist – das ist der ideale Zeitpunkt.
Schritt 6: Den Topf im trockenen Zustand wiegen, um zukünftige Gießzeitpunkte besser einschätzen zu können.
Wann sollte Cannabis genau gegossen werden?
Es gibt keinen universellen Gießplan. Der richtige Zeitpunkt hängt ab von:
- Luftfeuchtigkeit,
- Temperatur,
- Lichtleistung,
- Lüftung (Abluft und Umluft),
- Nutzung eines Luftbefeuchters.
In der Praxis wird meist alle 2–5 Tage gegossen, abhängig von den Bedingungen.
Das Gießen sollte langsam erfolgen, am besten in mehreren Etappen, bis Wasser unten aus dem Topf austritt.
Grundregel: Nur gießen, wenn der Topf nahezu trocken ist.
Wie erkennt man, ob der Topf trocken ist?
- Fingerprobe – einfach, aber ungenau.
- Topfgewicht prüfen – eine der besten Methoden.
- Blick auf die Abflusslöcher: dunkel = feucht, hell = trocken.
- Bei Stofftöpfen die Seitenwand leicht anheben und den Boden fühlen.
Mit zunehmender Erfahrung erkennt man den richtigen Zeitpunkt intuitiv. Dieser Leitfaden richtet sich vor allem an Anfänger und Grower mit Gießproblemen.
Wie viel Wasser benötigt Cannabis?
Am besten wird so lange gegossen, bis Wasser frei aus dem Topfboden abläuft.
- 1,5–2,5 Liter für 10–15-Liter-Töpfe
- 3–4 Liter für 15–30-Liter-Töpfe
Junge Pflanzen benötigen entsprechend geringere Wassermengen.
Zusammenfassung
Richtiges Gießen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Cannabisanbau. Lieber seltener, aber gründlich gießen als häufig und in kleinen Mengen. Die meisten Probleme beim Indoor-Anbau entstehen durch Überwässerung und nicht durch Wassermangel.


